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Forschungsschwerpunkte

Pflegediagnostik und Fallarbeit

Der Forschungsschwerpunkt Pflegediagnostik umfasst die theoretische Fundierung von Erkenntnisprozessen in der Pflege. Im Zentrum der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Prozess des Diagnostizierens steht die Frage wie diagnostiziert wird. Der Fokus ist dabei auf erkenntnistheoretische Grundlagen des Diagnostizierens und auf die Entwicklung von Denkwerkzeugen, mittels denen der Prozess des Diagnostizierens gelehrt und gelernt werden kann, gerichtet.

Die Verstehende Pflegediagnostik stellt eine Vertiefung des diagnostischen Prozesses dar. Das Modell der Verstehenden Pflegediagnostik ruht auf drei zentralen Erkenntnisebenen, die als Beschreibungen der ersten (Erleben, Erinnerung, Erfahrung), der zweiten (Auslegen und Verstehen) und dritten Person (Evidence-based Nursing, Institutionelles Wissen) bezeichnet und theoretisch fundiert werden. Verstehen wird dabei als die Vermittlung von objektivierten und subjektiven Wissensbeständen und als Grundlage professionellen Pflegehandelns verstanden.

In der Fallarbeit werden Konzepte zur Bearbeitung komplexer Pflegesituationen vorgestellt und theoretisch fundiert. Die Konzepte orientieren sich am Gegenstand der Fallarbeit, der reflexiv, diagnostisch, biografisch oder ethisch gefärbt sein kann. Eine spezielle Form von Fallarbeit stellen Case Studies dar, ein Forschungsansatz zur Untersuchung eines sozialen Phänomens innerhalb eines sozialen Systems oder innerhalb mehrerer sozialer Systeme im realen Kontext. Im Zentrum hierbei steht die Darlegung der methodischen Grundlagen und der pflegewissenschaftlichen Besonderheiten dieses Forschungsansatzes.

Zum Weiterlesen
Schrems, B. (2003). Der Prozess des Diagnostizierens in der Pflege. Facultas UTB: Wien.
Schrems, B. (2018), Verstehende Pflegediagnostik. Grundlagen zum angemessenen Pflegehandeln. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage.
Facultas: Wien.

Schrems, B. (2019), Fallarbeit in der Pflege. Grundlagen, Formen und Anwendungsbereiche. 3. überarbeitete und ergänzte Auflage. Facultas: Wien Schrems, B. (2019), Fallarbeit in der Pflege - Denken in zwei Systemen. Pflege Professionell 23/2019, 11-15;



Vulnerabilität

Die Verletzlichkeit des Menschen liegt in seiner Natur, sie wahrzunehmen und nicht zu verstärken in der sozialen Verantwortung aller. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Vulnerabilität in der Pflege und allgemein in Gesundheitsberufen scheint selbstverständlich, obgleich diese bislang eher in theoretischer als in praktischer Hinsicht erfolgte. Im Pflegealltag stehen Krankheit und Leiden im Vordergrund, das damit einhergehende Erleben einer besonderen Empfindlichkeit oder Sensibilität geht in der Alltagsroutine unter. Um der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, muss zunächst die Vielfältigkeit des Phänomens verstanden werden. In den folgenden Beiträgen finden sich dazu einige Grundlagen.

Zum Weiterlesen
Schrems, B. (2019), Vulnerabilität in der professionellen Pflegebeziehung. Eine Synopsis zum Vortrag am 6. November 2019 im Rahmen des 4. Pflege Professionell Symposiums - Zeit für Pflege. Pflege Professionell 24/2019, 01-04;
Schrems, B. (2020), Vulnerabilität in der Pflege. Was verletzlich macht und Pflegende darüber wissen müssen. Beltz Juventa: Weinheim.
Schrems, B. (2020), Vulnerabilität in der Pflegebeziehung. In: Monteverde, S. (Hrsg.): Handbuch Pflegeethik. Ethisch denken und handeln in den Praxisfeldern der Pflege. Stuttgart: Kohlhammer.



Forschungsethik

Die forschungsethischen Themen umfassen ethische Aspekte der qualitativen Forschung und Konsequenzen für Ethikkomitees. Im Speziellen wird die Doppelrolle der Pflegepersonen als Forschende, interessiert am Erkenntnisgewinn, und als Pflegende, dem Advocacy-Prinzip verpflichtet, reflektiert. Ein weiterer Schwerpunkt stellt die ethische Auseinandersetzung mit der Zuschreibung von Vulnerabilität für bestimmte Personengruppen dar. Mit dieser Zuschreibung werden im Einzelfall die Prinzipien Autonomie, Gerechtigkeit und Wohltun dem Prinzip des Nicht-Schädigens nachgereiht, woraus sich die Frage ergibt, wie durch diese Zuschreibung von Vulnerabilität dem Schutzgedanken nachgekommen werden kann, ohne dass dabei andere ethische Prinzipien substantiell verletzt werden.

Zum Weiterlesen
Schrems, B. (2013), Mind the gaps in ethics regulations of nursing research. Nursing Ethics, 20(3), 294 - 304
Schrems, B. (2014), Informed consent, vulnerability and the risks of group-specific attribution. Nursing Ethics, 21(7) 829-843.
(beide Beiträge sind auf Anfrage erhältlich)
Schrems, B. (2016), Was die Pflegepraxis über Forschungsethik wissen muss. Pflege Professionell 12/19. http://pflege-professionell.at/author/berta-schrems
Schrems, B. (2017), Vulnerabilität im Kontext der Pflegeforschung. Ein Essay. Pflege & Gesellschaft 4, 308-321.
Schrems, B. (2017), Die Ethik der qualitativen Forschungspraxis. Journal für qualitative Pflege- und Gesundheitsforschung, 4(2), 70-77.
Bartholomeyczik, S. Schrems, B. (2018), Forschungsethik. In: Brandenburg, H., Panfil, E-M., Mayer, H., Schrems, B.: Pflegewissenschaft 2. Lehr und Arbeitsbuch zur Einführung in die Methoden der Pflegeforschung. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Hogrefe: Bern. 235-258.



Wissenschaftstheorie und Wissensproduktion

Die Pflegewissenschaft weist die Elemente der Wissensproduktion im Modus 2 Wissenschaft *) auf, insbesondere die Aspekte der Kontextualisierung und der sozialen Verantwortlichkeit. Kennzeichnend ist die Nähe zur Praxis, in der Modus-2 Terminologie Kontextualität genannt. In ihrer Entstehungsgeschichte ist die Pflegewissenschaft transdisziplinär, eine Eigenschaft, die es im Kontext der Anwendung stets neu zu entwickeln und zu pflegen gilt. Pflegewissenschaft dient der Theorie- und Methodologieentwicklung gleichermaßen wie der Praxisentwicklung. Mit der Übernahme der sozialen Verantwortlichkeit und Reflexivität gelten nicht nur die traditionellen wissenschaftlichen Gütekriterien, sondern auch praktische und sozio-kulturelle, wie soziale Validität und Robustheit, sowie ethische Kriterien.

Für die handlungsorientierte Profession der Pflege stellt sich folglich die Frage, wie das produzierte Wissen in die Praxis gelangt und Nutzen schafft. Ausgangspunkt ist ein vielfach festgestellter Mangel an der Integration pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse in das pflegerische Handeln. Wissenschaftliches Wissen muss dazu in eine andere Form transformiert werden, so, dass der Inhalt bestehen bleibt und sprachlich und konzeptionell an der Praxis der Pflegenden anschließt. In den klassischen Traditionen der Wissenschaft und der Pflegepraxis ist die Funktion der Übersetzung nicht angelegt. So formt sich ein Handlungsfeld für pflegewissenschaftlich ausgebildete Pflegepersonen. Aufbauend auf pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Wissen über Modelle zur Gestaltung und Umsetzung von Wissenstransfers nehmen sie eine prozessbegleitende und -beratende Funktion ein. Durch begleitende und abschließende Evaluationen liefern sie darüber hinaus die Grundlagen für Managemententscheidungen und schaffen Orientierung im Sinne von "best practice" Beispielen.

*) Nowotny, H., Scott, P. & Gibbons, M. (2008): Wissenschaft neu denken. Wissen und Öffentlichkeit in einem Zeitalter der Ungewißheit. Birkach: Velbrück.

Zum Weiterlesen
Schrems, B. (2009), Wissensproduktion in der Pflege. In: Mayer, H. (Hg.), Pflegewissenschaft - von der Ausnahme zur Normalität. Ein Beitrag zur inhaltlichen und methodischen Standortbestimmung. Facultas: Wien. 47-71.
Schrems, B. (2011), Pflegewissenschaft und Pflegemanagement - Der lange Weg vom Wissen zum Handeln. In: Käppeli, S. (Hrsg.), Pflegewissenschaft in der Praxis. Eine kritische Reflexion. Huber Verlag: Bern. Seite 209-225.